Werner Hansch des TuS Bersenbrück.2

„Guten Tag, meine sehr verehrten Damen und Herren. Und hier die Mannschaften: mit der Startnummer eins – Norbert Nigbur“, begann Werner Hansch einst seine erste Moderation als Stadionsprecher des FC Schalke 04. Werner Rehkamp blieb der peinliche Versprecher seines berühmten Kollegen zum Glück erspart. Dennoch gibt es einige Parallelen zwischen den Namensvettern.

Rehkamp ist unsere FUSSBALL.DE-Kultfigur der Woche.

Denn wie bei der Stimme des Ruhrgebiets galt auch Rehkamps große Liebe lange einer anderen Sportart. Bevor schließlich beide eher zufällig beim Fußball landeten. Bei Werner Hansch war es der Trabrennsport – daher auch sein Versprecher. Bei Rehkamp war es der Volleyball. Inzwischen hat Rehkamp aber längst den Volleyball mit dem Fußball getauscht. Seit fast 30 Jahren steht er bei den Heimspielen des TuS Bersenbrück am Mischpult.

DFB-Pokalspiel sorgt für "Infektion"

Auch Rehkamp kam wie Hansch, der 1971 in der Schalker Glückauf-Kampfbahn kurzfristig für einen erkrankten Freund bei einem Meisterschaftsspiel der Königsblauen gegen den FC Bayern München einsprang, erst über Umwege an den Job des Stadionsprechers. Denn eigentlich hatten beide mit dem Kicken nichts am Hut.

„Ich kann zwar ohne Bank, aber nicht ohne meinen TuS.“

Von Fußball hatten deshalb beide auch keine Ahnung, als sie erstmals eine Mannschaftsaufstellung verlasen. „Stimmt, aber so etwas ist mir zum Glück trotzdem nicht passiert“, sagt Rehkamp und lacht. Bei Rehkamp war es ein DFB-Pokalspiel, das sein Leben auf den Kopf stellte. Während für Werner Hansch der Job als Stadionsprecher beim FC Schalke 04, den er fünf Jahre lang ausübte, der Startschuss zu einer großen Karriere als Rundfunk- und Fernsehmoderator wurde, blieb der 60-Jährige seinem Verein TuS Bersenbrück bis heute treu.

Aber was heißt hier überhaupt ein DFB-Pokalspiel? Es war das bislang einzige DFB-Pokalspiel des TuS Bersenbrück überhaupt. Am 4. August 1990 trat der TuS Bersenbrück vor 3500 Zuschauern in der ersten DFB-Pokalhauptrunde zum größten Spiel seiner Vereinsgeschichte gegen den damaligen Zweitligisten Hannover 96 an. Es herrschte Euphorie pur in dem 8500-Seelen-Dorf. Bereits vor dem Halbfinale um den Pokaleinzug auf Landesebene war der 30 Kilometer nördlich von Osnabrück gelegene Klub mit einem Sonderzug und 500 Fans zum Gegner nach Ölsburg angereist. Das Pokalfinale in Bersenbrück gegen die Sportfreunde Ricklingen verfolgten 2300 Fans im idyllisch gelegenen Hase-Stadion. In einer Umgebung, in der sich normalerweise Fuchs und Langohren gute Nacht sagen.

Rehkamp, von Beruf Bankkaufmann, hatte kurz zuvor das Amt des Schatzmeisters beim Gesamtverein TuS Bersenbrück und seinen 1500 Mitgliedern übernommen. In dieser Eigenschaft nahm er auch das Antrittsgeld vom DFB entgegen. „7000 DM“, erinnert er sich. Als für die Partie ein Stadionsprecher gesucht wird, sprang Rehkamp ein. Auch wenn das Spiel gegen Hannover 96 0:4 verloren wurde, war Rehkamp beeindruckt. Angefixt von der Atmosphäre blieb er – wie Werner Hansch – bei der schönste Nebensache der Welt hängen. „Das war so ein Erlebnis, danach bin ich vom Fußball nicht mehr weggekommen. Ich bin damals richtig infiziert worden“, bestätigt Rehkamp.

Zuvor war er beim TuS Bersenbrück zwar als Spieler, Betreuer, Fahrer und Trainer tätig. Aber eben alles im Volleyball. Dazu muss man wissen, dass der TuS Bersenbrück in den 1970er- und 1980er-Jahren viermal Deutscher Meister im Jugend-Volleyball war und das Herrenteam zeitweise in der zweithöchsten Liga spielte. Eine richtig große Nummer also. Der Fußball fristete dagegen eher ein tristeres Dasein im Klub.

Chance auf zweites DFB-Pokalspiel

Dennoch hat Rehkamp das Mikrofon seitdem nicht mehr aus der Hand gegeben. Und so übt er neben seiner Tätigkeit als Vorstand Finanzen des mehrspartigen Gesamtvereins den Job des Stadionsprechers beim Oberligisten bis heute aus. In drei Jahren wird der Träger des DFB-Ehrenamtspreises den Job bei der Bank an den Nagel hängen und in den Ruhestand gehen. „Dann werde ich mich noch intensiver um den Verein kümmern“, verspricht er. „Ich kann zwar ohne Bank, aber nicht ohne meinen TuS.“

Und wenn er ganz viel Glück hat, darf er bis dahin als Stadionsprecher noch mal ein Spiel in der 1. Runde des DFB-Pokals kommentieren. Am Ostermontag steigt für den TuS Bersenbrück bei der FC Eintracht Northeim das Halbfinale um den Niedersachsenpokal. Der Sieger spielt am Tag der Amateure um den Einzug in den DFB-Pokal auf Bundesebene. „So nah waren wir seit 1990 nicht mehr dran“,so Rehkamp.

Besondere Ereignisse kommen eben nicht so oft im Leben vor. Davon weiß auch Werner Hansch zu berichten. Der hatte seinen größten Auftritt als Kommentator 1997 beim UEFA-Cup-Sieg des FC Schalke 04 in Mailand.

Foto und Autor: Stefan Bunse

Anmerkung:

Der Sportjournalist Stefan Bunse kommt aus der Nähe von Gelsenkirchen und berichtet vorwiegend über den FC Schalke 04 für die Zeitung „Reviersport“ und eben auch für www.Fussball.de. Dort sucht er regelmässig nach der "Kultfigur der Woche" im Fußball. Dabei ist er beim Googeln auf den TuS Bersenbrück und dann auch auf Werner Rehkamp gestossen. Da Bunse seinen Bruder in Osnabrück besucht hat, ist er nach vorheriger telefonischer Absprache mal eben nach Bersenbrück zum Hasestadion gefahren, um ein Interview mit Werner Rehkamp zu führen.